Open Knowledge? 3 Fragen an Dr. Markus Neuschäfer

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(c) Markus Neuschäfer

Nur noch wenige Tage bis zur Konferenz Open Knowledge? Potentials of Digital Publishing in the Academic World am 27. April an der Universität Duisburg-Essen. Zeit genug, um in drei Fragen und Antworten ein erstes Stimmungsbild der Referenten zu Open Knowledge, digitaler Wissenschaft und digitalem Publizieren einzuholen. Den Anfang macht Dr. Markus Neuschäfer, Projektleiter der Open Knowledge Foundation.

Warum ist das Thema Open Knowledge wichtig für eine (digitale) Wissenschaft?

Offenheit ist ein immanenter Bestandteil der Wissenschaft: Erstellung, Prüfung und Verbreitung von Wissen ist ein sozialer Prozess, welcher unter restriktiven Bedingungen einfach nicht gut funktioniert. Mit der Digitalisierung bieten sich neue Chancen: Neben Publikationen werden Forschungsdaten, Programmcodes und Lehrmaterialien geteilt. Davon profitieren auch Wissenschaftler, die zum Beispiel frei verfügbare Softwaretools nutzen. Wenn sämtliche Bestandteile des wissenschaftlichen Prozesses über das Internet offen zugänglich und nachnutzbar sind, lassen sich Ergebnisse leichter überprüfen; die Teilnahme am Wissenschaftssystem wird einfacher und aus der intensiveren Vernetzung entsteht neues Wissen. Zudem wirkt sich Open Knowledge günstig auf den Wohlstand einer Gesellschaft aus, da sich technische Innovationen und neue Geschäftsmodelle auf einen größeren Schatz an Grundlagenforschung stützen können.

Wie wird digitales Publizieren in der Wissenschaft in Zukunft aussehen?

Mit der Verbreitung von Open Access setzt sich auch die Veröffentlichung von Forschungsdaten zunehmend durch. Die Filterfunktion von Wissenschaftsverlagen nimmt weiter ab, über Rezensionen und Suchportale entstehen neue Plattformen, um passende Beiträge zu entdecken – statt von wenigen Gatekeepern wird Relevanz in Netzwerken verhandelt und markiert.

Welche aktuellen digitalen Schreibprojekte können Sie empfehlen?

Für kollaborative Publishing-Workflows finde ich Lösungen wie Omeka, Open Journal Systems und Open Monograph Press (OMP) interessant. OMP wird unter anderem an der Uni Heidelberg und in dem DFG-Projekt „Language Science Press“ genutzt, um wissenschaftliche Beiträge zu veröffentlichen. Open-Source-Tools wie Authorea oder Booktype unterstützen Forscher bei der zusammenarbeit, um mit wenig Aufwand eigene Bücher oder Zeitschriften herauszugeben. Für den wissenschaftlichen Austausch in Geistes- und Sozialwissenschaften kann ich das Blog-Portal hypotheses.org empfehlen, das ForscherInnen beim Aufsetzen und der Vernetzung von Wissenschaftsblogs unterstützt.

Dr. Markus Neuschäfer betreut als Projektleiter der Open Knowledge Foundation die Zusammenarbeit mit DARIAH-DE in den Bereichen Digital Humanities und Open Science. Er engagiert sich für offene Daten in Wissenschaft und Kultur; besonders interessiert ihn die Entwicklung von Sichtbarkeit mit freien Inhalten. Vor der Open Knowledge Foundation Deutschland promovierte er in Germanistik, war an der Uni Göttingen tätig und arbeitete als Business Development Manager im Verlagswesen.

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