„Gemeinsam mehr erreichen” – MERCUR stellt sich vor

Logo_MRCR_oU_rgb_neuInterdisziplinarität, Kooperation und Vernetzung sind drei wichtige Komponenten der Arbeit der Global Young Faculty, die sich ohne Frage auch auf das Leitbild des Mercator Research Center Ruhr, welches seit 2011 für die Koordination der GYF verantwortlich ist, übertragen lassen. Die zahlreichen ambitionierten Forschungsprojekte, die MERCUR seit seiner Gründung 2010 unterstützen konnte, beweisen, dass sich der Gedanke der Kooperation zwischen den verschiedenen Forschungseinrichtungen der Wissenschaftsmetropole Ruhr bewährt hat. Im Gespräch mit GYF Blog zieht Prof. Dr. Winfried Schulze, Direktor von MERCUR, Billanz über die vergangenen sechs Jahre und gibt Einblicke in aktuelle Ziele und Projekte.

GYF Blog: MERCUR wurde 2010 gegründet. Was waren damals die Beweggründe, die Initiative ins Leben zu rufen, und wie würden Sie die Entwicklung mit Blick auf die letzten sechs Jahre beurteilen?

Prof. Dr. Winfried Schulze: Am Anfang stand zweifellos der Gedanke, dass die Stiftung Mercator einen Beitrag zur Entwicklung des Ruhrgebietes als leistungsfähige Wissenschaftsregion leisten wollte. Dafür erschien uns damals vor allem eine stärkere Kooperation der drei Universitäten wichtig, um deren Potenzial noch besser zu entwickeln, zumal sie sich 2007 ja schon zur Universitätsallianz Ruhr zusammengeschlossen hatten. Das war damals ein durchaus neuer und auch risikoreicher Gedanke, der sich aber in den folgenden Jahren als richtig, ja als notwendig erwiesen hat. Die drei Universitäten Duisburg-Essen, Bochum und Dortmund haben nicht nur die Chance genutzt, um gemeinsame Forschungsprojekte zu entwickeln, sondern sie haben darüber hinaus auch durch die Einrichtung des Forschungsrates 2013 ein wichtiges Instrument der gemeinsamen Zukunftsplanung entwickelt. Das war im Gründungsjahr von MERCUR keineswegs so zu erwarten, umso größer schätze ich den Effekt der Gründung ein.

Was genau sind diese Effekte?

Ich bin mir sicher, dass die Entwicklung gemeinsamer Profilschwerpunkte, die gerade im letzten Jahr mit der Gründung des materialwissenschaftlichen Schwerpunkts Materials Chain eine neue Stufe erreicht hat, ohne die Rolle von MERCUR wenig wahrscheinlich gewesen wäre. Darüber hinaus ist die Kooperation von Universitäten in einer Region ein wichtiges Thema der gesamtdeutschen Wissenschaftspolitik geworden, auch hier hat MERCUR eine Vorreiterrolle gespielt. Wenn jetzt der Wissenschaftsrat eine Arbeitsgruppe eingerichtet hat, die sich mit dem Thema der Wissenschaftsregionen beschäftigt, dann sehe ich darin auch einen Erfolg unserer Arbeit hier im Ruhrgebiet.

Prof. Dr. Winfried Schulze beim MERCUR Club 2016 (Foto: Simon Bierwald)

Prof. Dr. Winfried Schulze beim MERCUR Club 2016 (Foto: Simon Bierwald)

Gibt es etwas, das Sie besonders überrascht hat?

Überrascht hat mich in der Tat die große Bereitschaft der WissenschaftlerInnen der drei Universitäten, gemeinsame Projekte zu entwickeln. Diese Projekte bewegen sich keineswegs nur im Rahmen der jeweils eigenen Fachdisziplinen, sondern greifen meistens über das eigene Fach hinaus und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der interdisziplinären Forschung an unseren Universitäten. Überrascht hat mich in den letzten Jahren auch die gestiegene Bereitschaft, gemeinsame neue Masterstudiengänge und strukturierte Promotionsprogramme einzurichten.

Sie wurden 2013 von einer externen Expertenkommission positiv evaluiert und MERCUR kann seine Tätigkeit zunächst bis 2019 fortsetzen. Wo sehen Sie die wesentlichen Schwerpunkte der nächsten Jahre? Bleibt alles beim Alten oder haben Sie neue Weichenstellungen im Förderprogramm vorgenommen?

In der Tat war die sehr positive Evaluation Ende 2013 für uns eine wichtige Bestätigung der bisher geleisteten Arbeit und auf dem richtigen Weg zu sein. Auch das Land Nordrhein-Westfalen hat dies durch die Gewährung zusätzlicher Fördermittel anerkannt. Insofern gab es keinen Grund für eine grundlegende Kursänderung, eher für eine strategische Fokussierung unserer Arbeit. Insofern wird es weiter die bewährten Förderlinien Projektförderung, Strukturförderung (für gemeinsame Lehrprojekte), UA Ruhr-Professur und die Anschubfinanzierung geben. Wir haben uns für die zweite Förderphase von MERCUR aber auch vorgenommen, uns noch stärker auf die kooperativen Forschungsprojekte zu konzentrieren und damit einen stärkeren Impuls zu größeren Anträgen an externe Förderagenturen wie DFG, EU, BMBF u.a. zu geben. Damit wollen wir ganz dezidiert die Entwicklung von gemeinsamen Schwerpunkten der drei Universitäten vorantreiben und so ihr Gewicht als Kern und Motor der Wissenschaftsregion Ruhrgebiet stärken. Wenn ich so die Rolle der Universitäten für unsere Region beschreibe, dann möchte ich auch gerne erreichen, dass die Verbindung von wissenschaftlicher Forschung, wie sie hier betrieben wird, und der Wirtschaft in der Region noch weiter gestärkt wird. Wir werden uns in den nächsten Jahren noch intensiver um diese Beziehung kümmern und versuchen, die Erträge unserer bislang circa 180 Forschungsprojekte in diesem Sinne zu nutzen.

Mit dem Strategiefonds haben Sie ein ganz neues Förderinstrument geschaffen. Was verbirgt sich dahinter und welche Förderphilosophie verfolgen Sie mit dem Fonds?

Ja, wir haben aus vielen Gesprächen mit WissenschaftlerInnen den Eindruck gewonnen, dass es manchmal an Möglichkeiten fehlt, sich zu gemeinsamen Projekten zusammenzufinden – das ist ja keineswegs immer ganz einfach. Damit meine ich, dass es oft längerer Vorbereitung und auch des Rats von auswärtigen WissenschaftlerInnen bedarf, um ein gemeinsames Projekt auf den Weg zu bringen, gerade wenn dies in einem großen Fachgebiet erfolgen soll. Für solche Prozesse braucht man Unterstützung, und unser Strategiefonds ist genau dafür gedacht. Jetzt können Institute oder Fakultäten der drei Universitäten, die gemeinsam ein größeres Projekt, wie etwa einen neuen Studiengang, eine übergreifende Institutsbildung oder ein größeres Forschungsprojekt in Angriff nehmen wollen, bei MERCUR eine Förderung für die Vorbereitung (zum Beispiel Workshops, Arbeitstagungen oder Einladungen auswärtiger WissenschaftlerInnen) beantragen, das können bis zu 30.000 Euro sein. Mir scheint das eine gute strategische Investition zu sein, deren Effekt sich bald auszahlen wird.

Wenn Sie einen Ausblick wagen: Wo sehen Sie die wesentlichen Herausforderungen, denen sich das Ruhrgebiet als Wissenschaftsregion in den nächsten Jahren stellen muss?

Man kann über die Herausforderungen, vor denen sich das Ruhrgebiet als Wissenschaftsregion gestellt sieht, natürlich nur vor dem Hintergrund der allgemeinen Entwicklung der deutschen Hochschullandschaft sprechen. Angestoßen durch die Exzellenzinitiative hat sich in den letzten Jahren zweifellos eine neue Differenzierung der Hochschullandschaft und damit notwendigerweise eine Profilierung einzelner Hochschulen oder Hochschulregionen ergeben. In diesem Kontext kommt es hier im Ruhrgebiet darauf an, aus den drei sehr guten Universitäten ein besonders leistungsfähiges System zu entwickeln, das im Wettbewerb nicht nur der deutschen Wissenschaftsregionen, sondern auch im europäischen und internationalen Wettbewerb bestehen kann. Wir müssen in der Lage sein, TopwissenschaftlerInnen in das Ruhrgebiet zu holen, wir müssen Ihnen beste Bedingungen bieten können. Nur so können wir gute und sehr gute Studierende und NachwuchswissenschaftlerInnen für unsere Universitäten gewinnen, das wichtigste Potenzial für die weitere Entwicklung. Wenn es uns darüber hinaus gelingt, dieses leistungsfähige System und seine wissenschaftlichen Erträge noch enger mit dem wirtschaftlichen Potenzial der Region zu verbinden, dann sehe ich eine wirkliche Chance, auch eine wirtschaftliche Neuorientierung des Ruhrgebietes zu schaffen.

Eine kurze Frage zum Abschluss: Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft von MERCUR?

Ich wünsche mir natürlich, dass das, was ich eben als Zukunftsperspektive entwickelt habe, auch wirklich eintritt. Ganz konkret würde das bedeuten, dass auch nach Auslaufen der bisherigen Förderung durch die Stiftung Mercator Ende 2019 MERCUR ein zentrales Instrument der gemeinsamen Entwicklung der drei Universitäten bleibt, die ja mit der Universitätsallianz Ruhr den Rahmen dafür schon geschaffen haben.

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