Die Potenziale digitaler Medien in der Wissenschaft: Zum Weblog der Global Young Faculty III

Arbeitsgruppenbild ((c) Uta Wagner)

Die Arbeitsgruppe „Potenziale Digitaler Medien in der Wissenschaft” der GYF III ((c) Uta Wagner)

Wenn man die öffentlichen Äußerungen der Bundeskanzlerin als Gradmesser nimmt, hat sich die gesellschaftliche Offenheit für die digitalen Medien in den letzten anderthalb Jahren rapide gewandelt. „Das Internet ist für uns alle Neuland“, konstatierte Angela Merkel noch am 19. Juni 2013, und viele Internetnutzer und WissenschaftlerInnen wunderten sich über diese defensive Haltung. Vor wenigen Tagen klang die Bundeskanzlerin dann in ihrer Neujahrsansprache 2015 schon anders. Hier nannte sie – trotz Kriegen und Finanzkrisen – ganz optimistisch als erste der „großen Herausforderungen“ die „digitale Revolution, die unser Leben fundamental verändert und ganz neue Möglichkeiten für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit bietet.“

Die innovativen Potenziale der Digitalisierung sind auch für die Wissenschaft von zentraler Bedeutung – gerade für den wissenschaftlichen Nachwuchs, dessen Forschung und Lehre sich in den kommenden Dekaden in einem immer umfassenderen digitalen Medienraum bewegen wird. Es war daher nur logisch, dass sich im Oktober 2013 im dritten Jahrgang der Global Young Faculty neun ihrer Mitglieder zu einer „AG Potenziale Digitaler Medien in der Wissenschaft“ formierten (weitere Informationen zur Global Young Faculty, siehe unten).

Die interdisziplinär zusammengesetzte AG, in der vor allem Junior-ProfessorInnen und Post-DoktorandInnen so unterschiedlicher Fächer wie Sozialpsychologie und Maschinenbau, Landschaftsarchitektur und Informatik, Englischdidaktik und Ingenieurwissenschaften vertreten sind, hat sich zwei Schwerpunkte gesetzt: Sowohl das digitale Lernen als auch das digitale Publizieren in der Wissenschaft sollten die zentralen Gegenstände der Gruppenarbeit werden, wobei mit dieser Schwerpunktsetzung mehrere Ziele verbunden sind, wie das AG-Programm formuliert. Dabei sollte einerseits um die theoretische Auseinandersetzungen mit den Herausforderungen und Chancen digitaler Medien für die Wissenschaft gehen sowie andererseits um die praktische Erprobung innovativer Formate des digitalen Forschens, Lernens und Publizierens. Ein mögliches Fernziel wäre es, am Ende der interdisziplinären Zusammenarbeit aus der Perspektive von NachwuchswissenschaftlerInnen Empfehlungen an Politik und Gesellschaft zur Nutzung digitaler Medien in der Wissenschaft zu formulieren. Konkret wurden und werden diese Zielsetzungen in verschiedenen Gruppen- und Einzelprojekten umgesetzt, dazu zählen u.a.

  • die Organisation einer internationalen Konferenz zum freien digitalen Wissen oder die Kooperation mit einem Workshop zum Immaterialgüterrecht;
  • Schulungen zu Fragen des digitalen Lernens und Publizierens in der Wissenschaft, wie u.a. der Gamification der Lehre oder den hybriden Publikationsmöglichkeiten;
  • individuelle Lehr- und Forschungsprojekte der AG-Beteiligten, wie die Erstellung einer Studie zur digitalen Mediennutzung von Studierenden, eines Experiments mit einer digitalen Lehrvideo oder eine Untersuchung zum Zweitveröffentlichungsrecht an den eigenen wissenschaftlichen Texten.

Früh entstand in der Gruppe das Bedürfnis, diese (teilweise GYF-internen) Aktivitäten auch öffentlich zugänglich sowie zum möglichen Gegenstand interaktiver Vernetzungen oder Diskussionen zu machen, die auch in den akademischen Raum jenseits der Global Young Faculty, aber auch in den nicht-akademischen Raum ausstrahlen können. Dieser Wunsch ist erstens gespeist aus dem Bewusstsein, dass die digitalen Medien in einer ganz neuen Weise die freie Verfügbarkeit von Wissen in unterschiedlichen medialen Formen ermöglichen, und dass diese Potenziale digitaler Medien zweitens gerade für einen Bildungsraum wie das Ruhrgebiet – mit seiner späten Akademisierung, seinen emanzipatorischen Bildungsprozessen und seinem strukturellen Wandel zu immateriellen und international vernetzten Arbeitsformen – von großer Bedeutung sind. Als Mitglieder der Global Young Faculty III fühlen wir uns privilegiert, begreifen dies jedoch zugleich als Verpflichtung, die Ergebnisse unserer Arbeit so offen wie möglich in die Gesellschaft zurück zu spiegeln.

Die AG hat sich daher dazu entschlossen, ihre Aktivitäten nachhaltig in der spezifischen Form eines Weblogs zu dokumentieren. Bei Weblogs handelt es sich um regelmäßig aktualisierte Webseiten, die Beiträge (ggf. unterschiedlicher AutorInnen) in chronologisch umgekehrter Reihenfolge versammeln, die von ihren LeserInnen kommentiert werden können. Damit stehen Weblogs paradigmatisch für die interaktiven Potenziale des ‚Web 2.0’ bzw. des ‚Social Web’, die auch die Wissenschaftskommunikation nachhaltig ändern werden, wie die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz beschreibt: „Digitale Medien und der Einzug der Algorithmen haben die Art und Weise, wie wir publizieren, wie wir uns informieren und demokratische Massen erreichen und mobilisieren, radikal verändert. (…) Damit ergeben sich völlig neue Möglichkeiten der Kooperation – und damit (…) ein ganz neues Potenzial der demokratischen Partizipation.“ (Bunz: Die stille Revolution, S. 153)

Auch dieses Weblog ist das Ergebnis verschiedener Kollaborationen. Es basiert auf Vorstellungen der „AG Potenziale digitaler Medien in der Wissenschaft“, wäre aber nicht entstanden ohne die konzeptionellen und redaktionellen (Denk-)Leistungen vor allem von Katharina Graef, die zudem – gemeinsam mit Kristina Petzold – für die meisten Filmproduktionen verantwortlich zeichnet. Die Gestaltung des Weblogs lag in der Hand von Katharina Graef (Konzept) und Florian Dreyßig/SQUIECH Design (Einrichtung). Wir danken zudem dem Team von MERCUR, insbesondere Dr. Ann-Christin Bauke, Dr. Maria Bucsenez und Isabell Hilpert, für die wunderbare und produktive Unterstützung dieses Projekts, sowie der Global Young Faculty III für die finanzielle Unterstützung.

Besonders würde uns freuen, wenn zukünftige Jahrgänge der Global Young Faculty dieses Weblog fortschrieben und seine Struktur und technische Gestaltung in ihrem Sinne konstruktiv modifizieren würden. Diese Form des interdisziplinären, kollaborativen und prozesshaften Weiterschreibens wäre nicht nur ganz im Sinne der Global Young Faculty, sondern zweifelsohne auch ein produktiver Umgang mit den Potenzialen digitaler Medien und somit ein Anliegen unserer AG.

Dr. Thomas Ernst (Universität Duisburg-Essen)
Sprecher der „AG Potenziale Digitaler Medien in der Wissenschaft“ in der GYF III


Die Global Young Faculty

Die Global Young Faculty ist eine Initiative der Stiftung Mercator in Zusammenarbeit mit der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr), zu der sich die Ruhr-Universität Bochum, die Technische Universität Dortmund und die Universität Duisburg-Essen zusammengeschlossen haben. Koordiniert wird die Global Young Faculty vom Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) in Essen. In der Global Young Faculty treffen sich, so die Selbstbeschreibung, „herausragende, engagierte Nachwuchswissenschaftler/innen der Metropole Ruhr, um gemeinsam an interdisziplinären Themen zu arbeiten, untereinander Kontakte zu knüpfen und neue wissenschaftliche Impulse für die eigene Forschungstätigkeit zu gewinnen. Ziel des Netzwerkes ist es, vielversprechende junge Forscher/innen in ihrer weiteren Karriere zu unterstützen.“

Die Global Young Faculty III ((c) Uta Wagner)

Die Global Young Faculty III ((c) Uta Wagner)

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