Die GYF aus der Perspektive des Förderers.
Im Gespräch mit Prof. Dr. Winfried Schulze

(c) Simon Bierwald

(c) Simon Bierwald

Die Global Young Faculty startet in die vierte Runde und heißt 55 NachwuchswissenschaftlerInnen von Forschungseinrichtungen im Ruhrgebiet willkommen. Prof. Dr. Winfried Schulze ist seit 2010 Direktor des Mercator Research Center Ruhr (MERCUR), das die GYF koordiniert. Im Interview mit dem Blog der Global Young Faculty erzählt er über die Entstehung und Entwicklung der GYF, ihre Bedeutung für den Wissenschaftsstandort Ruhr  und warum seine Arbeit nach wie vor ein Traumjob für ihn ist.

Katharina Graef: Dieser Tage tritt nun bereits der vierte Jahrgang der Global Young Faculty an, gründet Arbeitsgruppen und startet in neue Projekte. Das Konzept der GYF scheint also voll und ganz aufzugehen, oder?

Prof. Dr. Winfried Schulze: Die jungen Wissenschaftler profitieren in besonderer Weise von der GYF, weil sie so in Gebiete hereinkommen, die sie selbst nicht kennen. Man ist ja normalerweise sehr fixiert auf sein eigenes Gebiet und guckt wenig links und rechts dabei. Ich hatte am Anfang auch etwas Bedenken, ob der Impetus ausreichen würde, weil die Wissenschaftler in dieser frühen Phase extrem belastet sind. Sie müssen ihre Dissertation zu Ende schreiben, sie müssen publizieren, sie müssen die Habil-Schrift in Angriff nehmen. Das ist eine harte Zeit, und da überlegt man sich, ob man überhaupt noch Zeit hat, an zusätzlichen Aktivitäten wie der GYF teilzunehmen. Das Interessante für mich ist, dass alle Gruppen bislang diese Chance genutzt haben. Mein Befürchtung, dass sie zu sehr von ihren eigentlichen Aufgaben abgelenkt sein würden, war falsch.

Prof. Dr. Schulze beim Autakttreffen der GYF IV. (c) Simon Bierwald

Autakttreffen der GYF IV. (c) Simon Bierwald

Wie fällt das Feedback der ehemaligen Mitglieder aus?

Laut unserer regelmäßigen Mitgliederbefragung würden sich über 95% der ehemaligen Mitglieder wieder für einen Platz in der GYF bewerben. Manche Arbeitsgruppen arbeiten sogar noch nach Ende des Programms in ihren Projekten weiter. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist dabei ein entscheidender Faktor. Dieses Arbeiten über die Fachgrenzen hinaus führt zu einer besonderen Sensibilität und darin liegt die Qualität der GYF. Im Übrigen schafft diese Sensibilität auch für den späteren universitären Einsatz enorme Vorteile, wenn man mit Kollegen anderer Fakultäten umgeht. Man muss im Senat sitzen, gemeinsame Projekte entwickeln usw. All das kann man besser verstehen, wenn man weiß, wie andere Fächer ticken.

Die beteiligten Nachwuchswissenschaftler forschen alle im Ruhrgebiet. Wie wird dem ,globalen‘ Charakter der GYF Ausdruck verliehen?

MERCUR hat die GYF nach dem Kulturhauptstadtjahr 2010 in veränderter  Form von Stiftung Mercator, Volkswagenstiftung und KWI übernommen. Verändert deshalb, weil es nun nicht mehr darum geht, eine große Zahl von ausländischen Kollegen in die GYF mit einzubauen, sondern vor allem darum, eine Reihe von guten Nachwuchskräften aus unserer Region hier regelmäßig zusammenzubringen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ein bisschen über den Tellerrand hinauszuschauen. Das „Global“ ist insofern geblieben, als dass allen Mitgliedern der GYF nicht unerhebliche Mittel zur Verfügung stehen, mit denen sie ins Ausland reisen können. Sie bekommen 5.000 Euro pro Person und können damit längere oder kürzere Aufenthalte an Forschungsanstalten rund um die Welt verbringen. Das hat sich bis dato als ein wichtiger Impuls für die Arbeit an diesem Unternehmen erwiesen.

Das heißt, es geht darum, das im Ruhrgebiet vorhandene wissenschaftliche Potential in die Welt hinauszutragen?

Das ist eine Möglichkeit. Die andere Möglichkeit ist die, dass die jungen Wissenschaftler Kollegen aus aller Welt in ihre Arbeitsgruppen einladen, die sie in ihrem Forschungsgebiet für wichtig halten und mit ihnen diskutieren. Insofern ergibt sich der Faktor „Global“ aus zwei Richtungen. Der eigentliche Kern der Überlegungen war aber der, dass wir hier im Ruhrgebiet etwas Besonderes machen wollen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, denn er ist das große Potential für die Wissenschaftsregion Ruhr. Alle zwei Jahre finden sich bei uns gut fünfzig junge Leute zusammen und arbeiten in verschiedenen Arbeitsgruppen zusammen, die sie selbst bestimmen, in denen keine Vorgaben gemacht werden. Und wenn man davon ausgeht, dass eigentlich die meisten der jungen Wissenschaftler, die hier bei uns arbeiten, irgendwann einmal an andere Universitäten berufen werden, ist das natürlich ein wunderbares Mittel, um nach außen zu dokumentieren, welche Chancen der Nachwuchs hier im Ruhrgebiet hat. Damit stärken wir den Wissenschaftsstandort Ruhr insgesamt. Diese Grundidee finde ich nach wie vor überzeugend.

Wie bereichert Sie die Arbeit mit der Global Young Faculty?

Das Angebot gefällt mir so gut, dass ich es in meiner Zeit als junger Wissenschaftler gerne gemacht hätte. Ich finde an meinem Beruf spannend, dass man mit jungen Leuten arbeitet und zusammenkommt, die teilweise ganz verrückte Ideen haben. Ich frage mich oft: Wie sind die da bloß drauf gekommen? Für jemanden wie mich, der sich für Wissenschaft als Teil des Lebens interessiert, ist das eine Position, die nicht besser sein könnte, denn man sitzt an der Quelle und kann Ideen fördern.

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